StartseiteRatgeberCarport selbst planen: Größe, Statik, Dachform & Kosten

Carport selbst planen – Größe, Konstruktion, Dachform und Kosten

Ein Carport schützt dein Auto vor Regen, Hagel und UV-Strahlung und ist als Holzkonstruktion gut in Eigenleistung zu bauen. Damit das Projekt gelingt, brauchst du realistische Maße, ausreichende Querschnitte und einen Plan, der Schneelast und Windaussteifung berücksichtigt.

Größe und Stellplatz: Wie viel Platz braucht ein Carport?

Der häufigste Planungsfehler ist ein zu knapp bemessener Stellplatz. Plane pro PKW mindestens 2,7 × 5,0 m – komfortabel wird es ab 3,0 × 5,5 m, weil du dann auch mit geöffneten Türen und Einkäufen bequem ein- und aussteigst. Bei SUV, Kombi oder Van rechnest du besser mit 3,5 × 6,0 m. Für einen Doppelcarport haben sich 5,5 bis 6,0 m Breite bewährt; darunter wird das Aussteigen zwischen zwei Fahrzeugen eng.

Denke auch an Nebenflächen: Ein Geräteraum am hinteren Ende kostet nur 1,5–2,0 m zusätzliche Tiefe und schafft Platz für Fahrräder und Werkzeug. Vor dem Carport sollten rund 5 m Rangierfläche frei bleiben.

Abstand zur Grundstücksgrenze

Carports dürfen vielerorts grenznah gebaut werden, meist mit Auflagen an Wandhöhe und Länge entlang der Grenze. Die Regeln unterscheiden sich je nach Bundesland und Gemeinde deutlich – kläre Grenzabstand und Genehmigungspflicht deshalb vor der Detailplanung mit dem Bauamt.

Dachformen für Carports im Vergleich

Flachdach mit Gefälle (3–5°)

Der Klassiker: schlichte Optik, wenig Material, einfacher Aufbau. Ein Mindestgefälle von 3–5° – also etwa 5 bis 9 cm pro Meter – sorgt für den Wasserablauf. Als Eindeckung eignen sich EPDM-Folie, Bitumenbahnen oder Trapezblech. Nachteil: Auf flachen Dächern bleibt Schnee liegen, die volle Schneelast muss eingerechnet werden.

Pultdach (5–15°)

Das Pultdach leitet Regen gezielt zu einer Seite ab und wirkt modern. Es eignet sich gut für Trapezblech oder Sandwichpaneele. Legst du die hohe Seite zur Einfahrt, entsteht eine großzügige Durchfahrt, während die niedrigere Rückseite Wind und Wetter abhält.

Satteldach (18–30°)

Ein Satteldach passt optisch zu vielen Wohnhäusern, kann mit Dachziegeln gedeckt werden und schafft Stauraum unter dem First. Dafür brauchst du deutlich mehr Holz und Arbeitszeit – als Richtwert liegen die Kosten 20–40 % über einem vergleichbaren Flachdach-Carport.

Pfosten und Pfetten dimensionieren

Für einen Einzelcarport in Lagen mit moderater Schneelast haben sich die folgenden Querschnitte als Richtwerte etabliert. Verbindlich ist immer die statische Berechnung für deinen Standort: Bei Schneelastzone 2 und höher, Spannweiten über 5 m oder begrüntem Dach führt kein Weg an einem Statiker oder einem geprüften Bausatz vorbei.

BauteilQuerschnitt (Richtwert)Spannweite/Abstand
Pfosten12 × 12 cm, bei hoher Last 14 × 14 cmPfostenabstand 2,5–4,0 m
Pfette/Hauptträger10 × 20 bis 12 × 24 cmSpannweite 3,0–5,0 m
Sparren/Dachbalken (Flachdach)6 × 12 bis 8 × 16 cmAchsabstand 60–80 cm
Kopfband10 × 10 cmunter 45°, Schenkellänge 60–80 cm

Als grobe Orientierung gilt: Die Pfettenhöhe liegt bei etwa einem Fünfzehntel bis Zwanzigstel der Spannweite. Eine Pfette mit 4,5 m freier Spannweite landet damit bei 22–30 cm Höhe – oder du setzt einen zusätzlichen Pfosten und kommst mit 20 cm aus.

Schneelast: der unterschätzte Faktor

Schnee ist für die Dimensionierung meist maßgeblicher als das Eigengewicht des Daches. In Deutschland reichen die charakteristischen Schneelasten von rund 0,65 kN/m² im Flachland bis über 3 kN/m² in Mittelgebirgs- und Alpenlagen. Ein Rechenbeispiel: Auf einem 30 m² großen Flachdach in einer Region mit 1,0 kN/m² liegen im Bemessungsfall rechnerisch rund 2,4 Tonnen Schnee – zusätzlich zum Eigengewicht von Dachhaut und Konstruktion.

Je höher die Schneelast, desto größer die Querschnitte oder desto enger die Abstände. Die für dein Grundstück geltenden Werte bekommst du beim Bauamt oder vom Statiker; sie sind – zusammen mit der Windlast – die Grundlage jeder seriösen Bemessung.

Aussteifung: So steht der Carport auch im Sturm

Ein Carport hat keine aussteifenden Wände. Ohne Diagonalen verhält sich die Konstruktion wie ein Parallelogramm und kippt unter Windlast zur Seite. Drei bewährte Lösungen, die sich auch kombinieren lassen:

  1. Kopfbänder: Diagonalhölzer (z. B. 10 × 10 cm) unter 45° zwischen Pfosten und Pfette – in Längs- und Querrichtung und an möglichst vielen Pfosten.
  2. Eingespannte Pfosten: In schwere Punktfundamente eingespannte Stützen tragen horizontale Lasten über Biegung ab. Das funktioniert nur mit ausreichend steifen Pfostenankern und ist rechnerisch nachzuweisen.
  3. Wandscheibe oder Verband: Eine beplankte Rückwand, ein Geräteraum oder Windrispenbänder in der Dachebene steifen die Konstruktion großflächig aus – sinnvoll in windexponierten Lagen.

Fundament und Pfostenverankerung

Üblich sind Punktfundamente von 30 × 30 cm Kantenlänge oder 25–30 cm Durchmesser, mindestens 80 cm tief gegründet, damit sie frostfrei stehen. In das frische Fundament setzt du H-Pfostenanker oder nachträglich aufgedübelte Stützenfüße. Wichtig für die Haltbarkeit: Das Holz endet 5–10 cm über dem Boden und wird nie direkt einbetoniert – stehende Nässe am Hirnholz ist die häufigste Ursache für faulende Pfosten. Konstruktiver Holzschutz mit Abstand zum Spritzwasser, abgedeckten Hirnholzflächen und hinterlüfteten Anschlüssen wirkt langfristig besser als jede Lasur.

Material und Kosten

Standard für die Konstruktion ist Konstruktionsvollholz (KVH) aus Fichte oder Tanne: technisch getrocknet, maßhaltig und gehobelt. Für lange Pfetten ab etwa 5 m Spannweite lohnt Brettschichtholz (BSH), das formstabiler ist und größere Querschnitte erlaubt. Für stark bewitterte Bauteile sind Douglasie oder Lärche dank ihrer höheren natürlichen Dauerhaftigkeit eine gute Wahl.

Kostenposition (Einzelcarport ca. 3,0 × 5,5 m)Richtwert
Konstruktionsholz KVH (ca. 1,2–1,8 m³)700–1.300 €
Dacheindeckung (Trapezblech oder EPDM)400–900 €
Punktfundamente, Beton, Pfostenanker200–500 €
Verbinder, Schrauben, Kleinmaterial150–300 €
Lasur/Anstrich100–250 €
Summe Eigenbauca. 1.600–3.300 €

Zum Vergleich: Fertige Bausätze liegen je nach Qualität bei etwa 2.000–5.000 €, ein vom Fachbetrieb errichteter Carport inklusive Fundamenten meist bei 5.000–9.000 €. Der Eigenbau spart also spürbar Geld – vorausgesetzt, du planst sauber und bestellst passgenau. Alle Preise sind Richtwerte und regional unterschiedlich.

Genehmigung, Planung und nächste Schritte

Ob dein Carport verfahrensfrei ist oder eine Baugenehmigung braucht, regeln die Landesbauordnung und der örtliche Bebauungsplan – die Grenzen für Fläche, Höhe und Grenzbebauung unterscheiden sich stark. Kläre das, bevor du Holz bestellst. Danach läuft die Planung in klaren Schritten:

Tipp: In einem 3D-Planer wie HolzBau 3D setzt du Pfosten, Pfetten und Sparren maßstabsgetreu, prüfst Durchfahrtshöhe und Dachüberstand direkt am Modell und exportierst die Stückliste mit allen Längen für die Bestellung.

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